Der Besuch der alten Dame


Rückkehr nach 76 Jahren an den Ort der Jugend

Sie hatte nicht wie in Friedrich Dürrenmatt’s Drama ein Milliarde im Gepäck. Wohl aber einen Sack voller Erinnerungen an ihre Jugend:

Die Rede ist hier von Frau Elfriede Supper. Diese Frau verbrachte einen Teil der Kriegsjahre in Josefsdorf. Hier wohnte sie gemeinsam mit einer Schulfreundin und deren Mutter in einem Haus in Josefsdorf. Diese Freundin war eine gewisse Gertude Pelka mit der sie auch in der Pfarrkirche in Etzen die Erstkommunion empfing.

Über Etzen-Live hatte ihre Tochter, Frau Martina Nagl, Kontakt aufgenommen und angefragt, ob sich von diesem Aufenthalt noch irgendetwas eruieren ließe. Nach einigem Herumfragen meinerseits wurde mir bestätigt, dass das im Haus Josefsdorf 10 der Fall war. Dieses Haus gehörte der Familie Bauer aus Josefsdorf. Frau Elfriede Bauer war von Ihren Schwiegereltern und Eltern über diesen Sachverhalt gut informiert. Demnach war der Kontakt über Umwege durch deren Vater zustande gekommen.

Das Haus Josefsdorf 10 gehört jetzt mittlerweile der Familie Erich und Elfriede Haider. Diese waren sofort einverstanden, als Frau Supper den Wunsch äußerte, noch einmal in diese Gegend und das Haus zurückkehren zu wollen. Am Samstag, den 11. Juli 2020 war es dann soweit: Frau Nagl konnte ihrer Mutter diesen Wunsch erfüllen und sie besuchten Familie Haider. Dort wurden Erinnerungen ausgetauscht und Frau Supper erzählte von der großen Angst, die sie ganzen Kriegsjahre über begleitet hatte. Sie meinte zwar, dass das Haus woanders gestanden sei, das ließ sich letztendlich aber nicht nachvollziehen. Wer die Gastfreundschaft der Familie Haider kennt, der wird verstehen, dass der Aufenthalt dort ein bisschen angedauert hat, wovon sich die Besucher sehr beeindruckt zeigten.

Die Reise in die Vergangenheit wurde dann mit einem Besuch in Etzen bei der Volksschule und in der Kirche fortgesetzt. Frau Supper konnte es gar nicht glauben und fassen, dass sie nach so vielen Jahren nochmals in der Kirche ist, wo sie die Erstkommunion hatte.

Danach ging die Reise nach Kirchbach, zur Adresse wo Frau Supper mit Ihrer Mutter gewohnt hat nachdem sie aus Josefdorf weggezogen waren. Dort wurde noch das andere Haus gefunden, da sie scheinbar auch hier die Unterkunft gewechselt hatten, sowie die Volksschule. Als sie in dem zweiten Haus wohnten, kam auch ihr Vater hinzu und man hat hier auf das Ende des Krieges gewartet.

Es war jedenfalls für alle Beteiligten ein aufregender Tag, den Frau Supper nicht mehr vergessen wird. Detail am Rande: Die Freundin war die Tochter der Familie Pelka, die später in Ober Neustift das “Rotgangl”-Haus gekauft hat. Vielleicht erkennt jemand die anderen Mädchen auf dem Erstkommunion-Foto. Wenn ja, dann bitte um kurze Nachricht.



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