So this is christmas

Die etzen-live Weihnachtsgeschichte 2021

Das war sie also wieder: Die stillste Zeit des Jahres, die besinnliche Zeit, die Kuschelzeit … Schön für die, die das wirklich auch so empfinden können, ich tu mir von Jahr zu Jahr schwerer, richtige Weihnachtsstimmung zu empfinden. Vielleicht deshalb, weil ich gar nicht weiß, was richtige Weihnachtsstimmung ist.

Ich hatte mich heuer entschlossen, unsere etwas überladene Weihnachtsbeleuchtung auf ein „vernünftiges“ Maß zu reduzieren, bzw. das ganze infolge eines Kuraufenthaltes meiner Frau zu überlassen. Es bestand für mich ein zusätzlicher Grund für diese Reduzierung: Im Jahre 1979 erfolgte im Iran eine Geiselnahme des dortigen Botschaftspersonals. Im Zuge dessen hat der damalige US-Präsident Jimmy Carter verkündet, am Weihnachtsbaum vor dem Weißen Haus erst dann die Lichter einzuschalten, wenn die Freilassung der Geiseln erfolgt ist. Das im Hinterkopf und eine gewisse Trägheit dazu, veranlasste mich zu meinem Entschluss, die Weihnachtsbeleuchtung erst dann wieder auf „Vollbetrieb“ umzustellen, wenn die derzeit herrschende “Geiselnahme” durch die Corona-Pandemie ein Ende genommen hat. Ich fürchte – wenn nicht mehr Ein- Vor- und Umsicht zutage tritt – dass diese Lichter noch lange nicht in voller Pracht brennen werden. Ist das Weihnachten…?

Mit diesen Überlegungen ging schon einmal ein wichtiger Teil der Einstimmung auf den Advent verloren. Dazu muss ich aber eingestehen, dass es mir schon jahrelang passiert, dass plötzlich die erste Kerze am Adventkranz brennt, den meine Frau wie jedes Jahr mit viel Liebe und Kreativität gestaltet hat. Das führte meinerseits zumeist zur verwunderten Frage: „Ist schon der erste Adventsonntag?“

Wie schön war es doch, als noch die Kinder bzw. Enkelkinder schon Wochen und Tage zuvor gebastelt und gemalt hatten, um für diese Zeit die oft nicht identifizierbaren aber umso innbrünstiger gestalteten Kripperl und sonstigen Gebilde zu erschaffen. Durch diese Begeisterung kam diese Stimmung in gewissem Maße auch bei mir an. Und das obwohl in dieser Zeit, wo die Kinder mit vollem Herzen bei der Sache sind, man zumeist mit Arbeit zugedeckt ist, weil ja in der Firma noch alles vor den Feiertagen erledigt sein muss, damit man dann in Ruhe Ferien machen kann. Da wird alles auf diesen Termin hin getrimmt und wenn es dann so weit ist, dann steht man irgendwie mit einer Leere da: Ist das Weihnachten…?

Leider trägt auch der Klimawandel dazu bei, dass viel von der Advent- und Weihnachtsstimmung verloren geht. Eine weiße Haube auf der Landschaft gehört halt in dieser Zeit wohl für die meisten unter uns einfach zu Weihnachten. Wenn schon einmal Schnee in dieser Zeit kommt, dann halt leider meistens zu Beginn der Adventzeit. Man genießt es dann förmlich, vom Schneepflug zu extrem früher Morgenstunde geweckt zu werden. Aber schon ein paar Tage darauf verwandelt sich die „Haube“ vor allem in den Städten und Siedlungen in eine dreckige Masse, bevor sie sich dann kurz vor den Feiertagen gänzlich verabschiedet und eine Landschaft hinterlässt, die halt überhaupt nicht geeignet ist, Stimmung aufkommen zu lassen. Ist das Weihnachten…?

Ich bin schon viele Jahre kein Freund mehr von diesen Weihnachtsmärkten und Punschständen, obwohl die mitunter schon auch geeignet sind, ein bisschen Stimmung zu erzeugen. Ich bin aber einem kleinen Umtrunk in privater Runde nicht abgeneigt – sofern das gerade mal erlaubt ist! Dabei geht es aber nach einigen Getränken auch kaum mehr um Weihnachten, sondern vielmehr um Wein-Achtel und Bockbier, sodass auch hier kein nachhaltiger Weihnachtseindruck bleibt. Was eventuell bleibt ist ein schlechtes Gewissen, weil man schon wieder die Leber-, Nieren- und Zuckerwerte auf das Tiefste beleidigt hat. Ist das Weihnachten…?

Ich habe „auf der Suche nach dem Christkind“ in den letzten Jahren darauf gesetzt, mir im Fernsehen Sendungen über Adventbräuche und Weihnachtssingen bewusst reinzuziehen, um auf diese Weise etwas von dieser Stimmung auch für mich zu verinnerlichen. Heuer werden derartige Sendungen sehr oft von einer Dame moderiert, die mich schon bei der täglichen Kochsendung nervt. Die ist gewiss damit auch keine Initialzündung für meine Weihnachtsstimmung. Ist das Weihnachten…?

Was mir manchmal dazu verhilft, einen Hauch Weihnachten – oder was immer ich da spüre – zu ergattern, ist eine einsame Runde durch die Natur am Nachmittag des Hl. Abends. Nur ganz einzeln von einer hartnäckigen Motorsäge unterbrochen, liegt da so eine Stille über der Natur und den Häusern, die ich jedes Mal förmlich in mich aufsauge. Dabei versuche ich mir vorzustellen, was da in den einzelnen Häusern so an Vorbereitung auf den großen Moment im Gange ist.

Und da kommen dann die Erinnerungen an die eigene Kindheit. Wie Mutter die Löcher in der Füllung der allgemein sehr desolaten Küchentür mit Handtüchern verstopft hat, damit nicht neugierige Kinderaugen das Christkind bei der Arbeit verschrecken. Vater – der nicht wirklich der große Kinderbetreuer war – musste mit uns einen Mittagschlaf probieren. Der fand vor lauter Aufregung natürlich nicht statt. So vertrieb er uns die Wartezeit damit, dass er uns die absonderlichsten Geschichten erzählte. Zu guter Letzt führte er uns in den Kuhstall, dort mussten wir den Kühen mitteilen, dass das Christkind heute kommt. (Das war jener Zeitpunkt, wo das Christkind den Baum von der Küche und die Geschenke vom Dachboden geholt hat. Da musste die Wohnung „kinderfrei“ sein.) Da der Platz in unserem Haus äußerst beschränkt war, durfte oder musste ich die Nacht im Wohn-Schlafzimmer meiner Eltern verbringen, wo auch der Christbaum aufgestellt war. Was war das für ein herrlicher Christtag Morgen! Sowie ich die Augen öffnete hatte ich sofort den glitzernden, nach Reisig und Wachs duftenden Baum vor mir und verfiel in diese so eigenartige glückselige Stimmung, die zu beschreiben ich nicht wirklich im Stande bin. Und dann gab es zum Frühstück den von Mutter selbst gebackenen Christstollen! Was für ein Erlebnis! Darauf bestehe ich heute noch, am Christtag will ich meinen Christstollen zum Frühstück!

Diese vorhin geschilderte Art der Kinderbetreuung wurde auch von mir zu Weihnachten erwartet. Wir hatten zwar keinen Kuhstall mehr, das Geschichtenerzählen habe ich aber von Vater übernommen. Noch heute schütteln meine Töchter den Kopf, wenn sie an die von mir vorgetragene Geschichte denken, wo ich einmal sieben Tage unter Wasser marschiert bin und die Butterbrote dabei verrosteten! Das war eine jener Geschichten, die uns mein Vater schon erzählt hatte und wir dabei mit weit aufgerissenen Augen zuhörten.

Diese Stille ist es, die in mir dies alles wachruft. Man ist dabei förmlich gezwungen, die Gedanken schweifen zu lassen und darüber nachzudenken, ob es da nicht doch irgendwo eine große Ordnung geben muss, die quasi den Himmel oben hält.  Es kommt mir dabei auch automatisch „Stille Nacht – Heilige Nacht“ in den Kopf. Dieses Lied berührt mich immer noch, ich möchte es aber eigentlich nur während der Feiertage hören. Das ist bei mir bestimmt am Hl. Abend vor der Bescherung und sehr oft auch am Christtag in der Kirche der Fall. Mit Orgelbegleitung erzeugt das immer noch einen leichten Schauer auf meinem Rücken.

Und während ich hier versuche, Weihnachtsstimmung zu finden kommt mir der Gedanke, dass vielleicht gerade diese Suche es ist, die mir Weihnachten vermittelt. Gerade sich in dieses Gefühl aus der Kinderzeit – und sei diese mit noch so vielen Entbehrungen verbunden gewesen – zurück-beamen zu können, für sich diese strahlende und glückselige Zeit abrufen zu können – das könnte es sein, was Weihnachten bedeutet. Ich kann mich kaum an einzelne Weihnachtsgeschenke aus meiner Kindheit erinnern, sehr wohl aber auf dieses Drumherum am Weihnachtstag.

SO THIS IS CHRISTMAS !!!

Ich hoffe, dass es vielen von euch möglich ist, sich abseits vom so stark kommerzialisierten Weihnachtsrummel, ähnliche Erinnerungen abzurufen und damit vielleicht auch Weihnachten zu spüren.


Ich habe „So this is christmas“ aus einem ganz bestimmten Grund als Titel für meine Geschichte gewählt. Dieser alte Weihnachtsklassiker von Ur-Beatle John Lennon zählt nicht nur zu meinen Lieblings-Weihnachtsliedern, es hat auch eine Message, wie man neudeutsch so schön sagt. Im Hintergrund lässt John Lennon den Chor singen:

War is over, if you want it! (zu deutsch.: Der Krieg ist vorbei, wenn du es willst – Sofort!)

Meine Hoffnung wäre es gewesen, dieses Lied schon heuer sinngemäß zu Weihnachten singen zu können, wobei für mich der “Krieg” die Corona-Pandemie darstellt. Leider blieb es ein Traum. Tun wir aber bitte alle etwas dafür, dass wir es zumindest nächstes Weihnachten singen können!!!


Aungenehme Feiertog!

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